Pinterest Ads im Praxistest: 1.600 Euro für 2 Bestellungen
· Online-Marketing · 16 Min. Lesezeit
1.605,81 Euro Werbebudget. Zweieinhalb Monate Laufzeit. Aufgesetzt gemeinsam mit der offiziellen Pinterest-Betreuung, nach deren Empfehlungen, ohne einmal zwischendurch am Budget zu drehen. Das Ergebnis: zwei nachweisbare Bestellungen für zusammen 164,90 Euro.
Das ist die Bilanz unseres Pinterest-Ads-Tests für huebsches.com, den Online-Shop für skandinavische Wohnaccessoires, den ich mit meiner Frau betreibe. Home Decor gilt als die Pinterest-Kategorie schlechthin, und genau deshalb wollten wir es wissen. In diesem Beitrag lege ich alle Zahlen offen: was Pinterest gemeldet hat, was im Shop tatsächlich angekommen ist, und warum zwischen beidem ein Faktor zehn liegt. Am Ende steht eine übertragbare Methode, mit der du jede Werbeplattform an deinen eigenen Daten messen kannst, bevor sie dein Budget frisst.
Das Wichtigste in Kürze
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Testzeitraum | 20.07. bis 30.09.2026 |
| Ausgaben | 1.605,81 € (3 Kampagnen) |
| Impressions | ca. 1,18 Millionen |
| Checkouts laut Pinterest (Stand 01.10.) | 21 (1.597,49 €), ROAS 0,96 |
| Nachweisbare Pinterest-Käufe | 2 (164,90 €), ROAS 0,10 |
| Newsletter-Anmeldungen über Pinterest | 0 |
Selbst wenn man Pinterest jede einzelne der gemeldeten Bestellungen glauben würde, hätte jeder eingesetzte Euro nur 96 Cent Umsatz gebracht, nicht Gewinn, Umsatz. Nach Prüfung jeder einzelnen Bestellung bleiben davon zwei übrig.
Vorweg: Der Shop funktioniert
Der naheliegende Einwand zuerst: Vielleicht liegt es ja am Shop. Dagegen sprechen die Zahlen aller anderen Kanäle im selben Zeitraum, alle aus Shopify:
| Kanal | Conversion-Rate |
|---|---|
| Klaviyo-Newsletter | 8,3 % |
| Instagram (organisch) | 2,51 bis 3,06 % |
| Organisch und direkt | 2,69 bis 2,88 % |
| Shop gesamt | 2,28 bis 2,48 % |
| Pinterest Paid | 0,036 bis 0,086 % |
Dazu: 205 Bewertungen aus 2.364 Bestellungen, davon 204 mit fünf Sternen und eine mit vier. Retourenquote der beworbenen OAKEE-Produkte gegen null. Warenkörbe typisch zwischen 30 und 70 Euro. Und ein Detail, das ich niemandem vorenthalten will: Die 10 bis 17 Besucher, die über ChatGPT-Empfehlungen in den Shop kamen, konvertierten mit 10 bis 12 Prozent. Der Shop kann also verkaufen, wenn die Besucher kaufen wollen.
Der Testaufbau
Damit niemand „falsch eingestellt” rufen kann: Beide Kampagnenphasen wurden in Launch-Meetings gemeinsam mit der Pinterest-Betreuung (SMB DACH Partner Management) aufgesetzt, nach deren Empfehlungen. Budgets wurden nie zwischendurch verändert, Laufzeiten eingehalten. Drei Kampagnen liefen:
- Markenpräferenz (20.07. bis 20.08., 25 €/Tag, Optimierung auf Klicks): 763,78 €
- Performance+ Verkäufe (07.09. bis 30.09., 30 €/Tag): 699,35 €
- Retargeting Webseitenbesucher (07.09. bis 28.09., 10 €/Tag): 142,68 €
Eine kleine Guthaben-Testkampagne im März (72,52 €) rechne ich hier nicht ein, sie lief vor dem eigentlichen Test.
Die Gesamtsicht aus dem Ads Manager: 1.671,91 € Ausgaben inklusive Testkampagne, 21 zugeschriebene Conversions, ROAS 0,96. Selbst nach Pinterests eigener Zählung ein Verlustgeschäft.
Akt 1: Die Markenpräferenz-Kampagne
Aus Pinterest-Sicht lief es glänzend: 964.789 Impressionen, rund 96.000 erreichte Personen, fast 10.000 Klicks zu einem CPC von 8 bis 9 Cent, dazu 333 Merken-Aktionen. Alle Auslieferungswerte lagen über den DACH-Benchmarks für Home Decor, die Pinterest selbst geliefert hat.
Die Benchmarks-Folie von Pinterest: Klickraten, Klickpreise, Sichtkontaktpreise. Benchmarks fürs Ergebnis? Fehlanzeige.
Auffällig an diesen Benchmarks: Sie enthielten ausschließlich Auslieferungs-KPIs. Kein einziger Benchmark für Conversions, ROAS oder Absprungraten. Pinterest vergleicht sich dort, wo Pinterest gut aussieht.
Denn im Shop kam davon fast nichts an. Von den knapp 10.000 Klicks wurden 2.741 Sitzungen, ein Schwund von über 70 Prozent. Die Besucher, die ankamen, blieben im Schnitt 14,8 Sekunden, sahen 1,22 Seiten und sprangen zu 90,5 Prozent sofort wieder ab. Conversion-Rate: 0,036 Prozent. Eine einzige Bestellung in einem Monat, 119 Euro.
Drei Befunde aus diesem ersten Akt:
Das Muster zeigte sich schon hier: Die Klick-Optimierung steckte 78 Prozent des Budgets, 596,30 Euro, in eine einzige Anzeige, den Vogelfutterhaus-Pin, der knapp 8.000 der rund 10.000 Interaktionen einsammelte, aber keinen einzigen nachweisbaren Kauf brachte.
Der Erwartungsbruch: Der zweitreichweitenstärkste Pin zeigte eine gestylte Szene mit Vase und Trockenblumen auf dem Liva-Tablett, betitelt nur mit „LIVA”, verlinkt auf die Produktseite des Tabletts. Wer wegen der Vase klickt und ein Tablett sieht, ist in 15 Sekunden wieder weg.
Links der Szenen-Pin „LIVA” (die Vase zieht den Blick, verkauft werden soll das Tablett), rechts der Vogelfutterhaus-Pin, in den die Automatik 78 Prozent des Budgets steckte.
Die Tracking-Lücke: Die eine echte Bestellung, mit sauberen Pinterest-UTM-Parametern dokumentiert, tauchte im Ads Manager monatelang nicht auf. Das Pinterest-Tag hat einen realen Kauf schlicht nicht erfasst. Monate später schrieb der Ads Manager derselben Kampagne rückwirkend fünf Checkouts zu, vier davon als View-Through, also ohne Klick, nur mit eingeblendeter Anzeige.
Fairerweise: Einen organischen Resteffekt gab es. Die Profil-Impressions lagen vor der Kampagne bei etwa 47 pro Tag, danach bei etwa 330. Real, aber auf Jahressicht ungefähr das, was die Kampagne in vier Tagen eingekauft hat.
Akt 2: Performance+ Verkäufe, oder: Wenn die KI-Optimierung auf Klicks optimiert
Nach der ernüchternden Bilanz von Akt 1 empfahl die Betreuung den Wechsel auf das Kampagnenziel Verkäufe mit Pinterest Performance+, der hauseigenen KI-Automatik. Die Pinterest-Hilfe verspricht dazu wörtlich „Automatisierungs- und KI-Funktionen”, „möglichst viele Ergebnisse zu den niedrigsten Kosten” und „vereinfachte Kampagneneinrichtung mit 50 % weniger Eingaben”.
In derselben Hilfe steht allerdings auch dieser Satz: „Kampagnen mit Pinterest Performance+ Leads und Verkäufe schneiden mit mindestens 50 Conversion Events pro Woche am besten ab.”
Steht in Pinterests eigener Hilfe, inklusive der Empfehlung, unter 50 Conversions pro Woche bei Markenpräferenz zu bleiben. Beim Einrichten und in zwei Launch-Meetings erwähnte das niemand.
Unser Konto lag bei drei bis vier gemeldeten und etwa 0,3 nachweisbaren Checkout-Events pro Woche. Faktor 12 bis 150 unter der dokumentierten Mindestbasis. Darauf hingewiesen hat beim Einrichten niemand: kein Warnhinweis im Produkt, keiner in zwei Launch-Meetings. Im Gegenteil, die Empfehlung lautete ausbauen.
Das Ergebnis nach drei Wochen und 699,35 Euro: 201.086 Impressions, 2.880 Klicks, laut Pinterest 12 Checkouts mit ROAS 1,48. Newsletter-Anmeldungen über Pinterest: null. In den letzten zwei Wochen fiel der gemeldete ROAS auf 0,43, Tendenz weiter fallend.
Fair ist: Die Besucherqualität war deutlich besser als in Akt 1. 45 statt 15 Sekunden Verweildauer, 44 statt 28 Prozent der Klicks kamen als Sitzung an. Das Verkaufs-Setup war das richtigere. Trotzdem lag die Conversion-Rate bei 0,086 Prozent, Faktor 25 bis 30 unter jedem anderen Kanal des Shops. Und sie verfehlte sogar Pinterests eigenen Kategorie-Benchmark von 0,195 Prozent um Faktor 2,3, jenen Benchmark, den die Betreuung „sehr ungern” herausgab, weil er „aus meiner Perspektive keine Aussagekraft hat”.
Dieselben drei Wochen, dieselbe Shopify-Datenbasis: Pinterest-Besucher kauften 30-mal seltener als der Rest.
Auch die Qualität dahinter: 78,8 Prozent Absprungrate und 44 Sekunden Verweildauer bei Pinterest, gegen 161 Sekunden und 16,8 Prozent Absprungrate bei Instagram.
Die parallele Retargeting-Kampagne war schneller erzählt: Das Publikum eines kleinen Shops ist für Retargeting schlicht zu klein. 1.585 erreichte Personen, die der Algorithmus im Schnitt 8,2-mal mit denselben Anzeigen bespielte, zum vierfachen CPM der Hauptkampagne. Nach drei Wochen pausiert.
Der Attributionsabgleich: Was von den gemeldeten Checkouts übrig bleibt
Jetzt zum Kernstück. Pinterest meldete über den Gesamtzeitraum 21 Checkouts für 1.597,49 Euro. Genauer: Am 30. September, dem letzten Kampagnentag, standen dort 20 Checkouts für 1.540,59 Euro. Einen Tag später, nach Abschaltung aller Kampagnen, waren es 21. Das Reporting schreibt sich also auch nach Kampagnenende noch Käufe gut. Ich wollte wissen, was davon echt ist.
Zur Methodik: Über die Shopify Admin API habe ich für den Zeitraum der Verkaufskampagne alle rund 395 Bestellungen einzeln geprüft, inklusive der vollständigen Customer Journey, also jedem erfassten Besuch mit Quelle und UTM-Parametern, nicht nur dem letzten Klick. Eine Einschränkung gehört dazu: Bestellungen ohne Tracking-Einwilligung haben keine Journey-Daten, ein Pinterest-Kontakt wäre dort unsichtbar. Er wäre allerdings auch für Pinterest nur per Schätzverfahren zuschreibbar, nie per Klick belegbar.
Das Ergebnis: Von 395 Bestellungen hatten genau drei irgendeinen Pinterest-Kontakt in ihrer Journey.
- Bestellung A (45,90 €): zwei Pinterest-Klicks, Kauf direkt aus der Pinterest-App. Ein echter Pinterest-Kauf, der einzige der Verkaufskampagne.
- Bestellung B (54,90 €): zwölf Kontakte, davon acht Instagram, dazu Newsletter und Google, ein einzelner Pinterest-Klick eine Woche vor dem Kauf. Gekauft über Instagram.
- Bestellung C (33,90 €): dreizehn Kontakte, davon sieben Instagram, zwei Pinterest-Klicks zwischendurch. Gekauft über Instagram.
Pinterest meldete im selben Zeitraum 14 Checkouts, davon acht ausdrücklich als Click-Through, also mit Klick. Für mindestens fünf dieser acht existiert shopseitig kein einziger Pinterest-Besuch, in keiner einzigen Journey. Erklärbar ist das nur durch geräteübergreifendes Matching oder Consent-Lücken, und beides ist für den Werbekunden grundsätzlich unüberprüfbar.
Unüberprüfbar ist dabei wörtlich zu nehmen. Auf die Frage, an welchen Tagen die zugeschriebenen Conversions denn passiert sein sollen, antwortete der Pinterest-Support schriftlich, das Ads Reporting könne keine Liste der einzelnen Conversions mit Datum liefern: „The advertiser would need to refer to their own conversion tracking or analytics platform for that level of detail.” Die Plattform verweist für die Prüfung ihrer eigenen Zahlen auf die Analytics des Händlers. Genau das habe ich getan.
Das anschaulichste Fallbeispiel: Am 10.09. meldete der Ads Manager stolz die erste Conversion der Verkaufskampagne, 129 Euro, ROAS 2,08. Die einzige 129-Euro-Bestellung im Zeitraum hatte laut Journey zehn Kontakte, alle über Google und direkt, kein einziger über Pinterest, und stammte vom zweitbesten Stammkunden des Shops, seiner dreizehnten Bestellung. Tage später war die Conversion kommentarlos wieder aus dem Reporting verschwunden. Das Gegenstück kennst du schon aus Akt 1: Den real belegten 119-Euro-Kauf mit sauberem Pinterest-UTM hat das Tag nie erfasst. Das Reporting zählte einen fremden Kauf und übersah einen eigenen.
Die 129-Euro-Bestellung, die Pinterest sich zuschrieb: zehn Sitzungen in 24 Tagen, erste Sitzung direkt, Kauf über Google. Pinterest kommt nicht vor.
Zum Vergleich der eine echte Pinterest-Kauf der Verkaufskampagne: beide Sitzungen aus der Pinterest-App, sauber per UTM belegt.
Die Budgetverteilung: der Beweis
Falls bis hier noch Zweifel bestehen, worauf Performance+ wirklich optimiert, beantwortet das die Budgetverteilung auf Anzeigen-Ebene. Zwei Wochen Verkaufskampagne, 417,11 Euro, laut Ads Manager selbst:
| Anzeige | Budgetanteil | Checkouts laut Pinterest |
|---|---|---|
| Vogelfutterhaus (Klick-Magnet) | 41 % (171,85 €) | 0 |
| Kleines Holztablett natur | 1,6 % (6,56 €) | 6 (624,86 €, ROAS 95,29) |
Die Automatik steckte 41 Prozent des Budgets in die Anzeige mit den meisten Klicks und null Verkäufen, während die Anzeige, der sie selbst sechs Checkouts und einen ROAS von 95,29 zuschreibt, mit 1,6 Prozent des Budgets ausgehungert wurde. Dazu gehört: Die sechste Conversion dieser Anzeige tauchte erst am 1. Oktober auf, rückwirkend in den Zeitraum gebucht.
Das stärkste Einzelbild des Tests, direkt aus dem Ads Manager: oben das ausgehungerte Tablett mit ROAS 95,29, darunter das vollgepumpte Vogelfutterhaus mit null Verkäufen.
Dafür gibt es nur zwei Lesarten, und beide sind vernichtend: Entweder die sechs Conversions sind real, dann hat die „Conversion-Optimierung” ihre beste Anzeige verhungern lassen. Oder sie sind nicht real (sechs Käufe auf zehn Klicks wären 60 Prozent Klick-Conversion, shopseitig ist keiner nachweisbar), dann ist das Reporting als Steuerungsgrundlage unbrauchbar.
Ich habe die Frage offiziell gestellt. Die Antwort von Pinterest Customer Operations vom 29.09.2026, wörtlich:
“There is no setting in Performance+ that allows advertisers to prioritize ads solely based on the highest historical ROAS. However, they can pause underperforming ads through Ads Reporting. […] Please note that this is a manual workaround and does not make Performance+ rank or allocate delivery exclusively based on historical ROAS.”
Die offizielle Support-Antwort, schwarz auf weiß.
Auf Deutsch: Es gibt keine Einstellung, mit der die Conversion-Leistung die Budgetverteilung bestimmt. Der einzige Hebel ist, schwache Anzeigen von Hand zu pausieren, von Pinterest selbst als „manueller Workaround” bezeichnet. Die Betreuung bestätigte am Tag darauf: kein technischer Fehler, es ist so gebaut.
Damit steht die Kernthese dieses Beitrags: Eine als KI-Optimierung verkaufte Automatik, die unterhalb einer im Einrichtungsprozess nirgends genannten Schwelle nachweislich auf Klicks statt Käufe steuert und sich nur per Handarbeit korrigieren lässt, ist keine Optimierung. Sie ist ein Klick-Einkäufer mit KI-Etikett.
Zur Einordnung: die Betreuung
Ein paar Zitate aus zweieinhalb Monaten Betreuung, weil sie das Muster zeigen. Auf die Differenz zwischen 10.000 Klicks und 2.700 Sitzungen: Das seien „zwei unterschiedliche KPIs”. Auf 15 Sekunden Verweildauer: Der Wert sei „im Schnitt nicht schlecht, falls dich das etwas beruhigt”. Auf die Frage nach der rätselhaften Spalte „Conversions”: Da zählten „verschiedene Aktionen rein, unter anderem Klicks”, die Kennzahl sei „nicht so aussagekräftig”. Und mitten in die Halbzeitbilanz hinein kam eine Werbemail: „Mehr aus euren Kampagnen rausholen mit Performance+”.
Zur Fairness gehört auch: Die Betreuung war durchgehend erreichbar und freundlich, der Hinweis, in Anzeigentexten die Produktgattung zu benennen, war fachlich richtig und wurde umgesetzt, und am Ende wurde die Support-Antwort transparent weitergegeben. Meine Kritik gilt nicht der Person, sondern dem Prozess: ein Kampagnentyp wird entgegen der eigenen dokumentierten Mindestanforderung empfohlen, und auf kritische Zahlen folgt Beruhigung statt Einordnung.
Für wen Pinterest Ads trotzdem funktionieren können
Damit das nicht als Pauschalurteil stehen bleibt: Es gibt Konstellationen, in denen die Rechnung anders ausgehen kann. Katalog-Shops mit Hunderten Web-Bestellungen pro Monat erreichen die 50 Events pro Woche, dann hat die Automatik tatsächlich etwas zu lernen. Shopping-Anzeigen auf Produktfeed-Basis sind näher am Produkt als Performance+-Prospecting. Und je höher der Warenkorb, desto mehr Fehlklicks verkraftet die Rechnung.
Umgekehrt heißt das: Liegt dein Shop unterhalb von grob 500 Web-Bestellungen pro Monat, steht die entscheidende Hürde bereits in Pinterests eigener Dokumentation. Nur warnt dich davor weder das Produkt noch die Beratung.
Die übertragbare Lektion: Miss jede Plattform an deinen eigenen Daten
Der eigentliche Nutzwert dieses Tests ist unabhängig von Pinterest, er gilt für Meta, TikTok und Google genauso: Akzeptiere Ads-Manager-Zahlen niemals als Entscheidungsgrundlage. Jede Plattform bewertet sich selbst, mit eigenen Attributionsregeln, eigenen Zählweisen und eigenen Fenstern. Warum das bei Tool-Zahlen generell so ist, habe ich am Beispiel von SEO-Tools schon einmal aufgeschrieben, bei Werbeplattformen kommt verschärfend hinzu: Hier bewertet der Verkäufer die eigene Ware.
Die Methode, die bei uns den Unterschied zwischen 21 und 2 Bestellungen aufgedeckt hat:
- UTM-Parameter sauber setzen, bei jeder Kampagne, ohne Ausnahme.
- Sitzungsqualität je Kanal vergleichen, direkt in der eigenen Shop-Analytics: Absprungrate, Verweildauer, Conversion-Rate. Eine 90-Prozent-Absprungrate erzählt mehr als jede Reichweiten-Folie.
- Bei Zweifeln die Customer Journeys der Bestellungen prüfen. In Shopify geht das pro Bestellung sogar im Admin-Bereich, in der Masse per Admin API.
- View-Through-Zuschreibungen grundsätzlich herausrechnen. Eine eingeblendete Anzeige ist kein Kaufgrund, sie ist eine Einblendung.
Und vor dem Start auf jeder neuen Plattform: die dokumentierten Event-Mindestmengen der Plattform lesen und das eigene Conversion-Volumen ehrlich dagegenhalten, die Erfolgsmetrik vorab in der eigenen Analytics definieren statt in der der Plattform, und Abbruchkriterium samt Messfenster schriftlich festhalten, bevor der erste Euro fließt.
Unterm Strich
1.605,81 Euro, zwei nachweisbare Bestellungen, null Newsletter-Anmeldungen: Für unseren Shop ist die Entscheidung gefallen, und zwar endgültig, kein „vielleicht später nochmal”. Das Budget arbeitet künftig dort, wo die eigenen Zahlen Wirkung belegen: im Newsletter mit 8,3 Prozent Conversion-Rate, auf Instagram und im organischen Pinnen, denn die 333 gemerkten Pins arbeiten kostenlos weiter. Woran du vorher erkennst, ob es dir genauso gehen würde, steht oben: Zähl deine wöchentlichen Bestellungen und lies die Doku, die dir die Plattform beim Einrichten nicht zeigt.
Wenn du gerade selbst vor der Frage stehst, ob Paid Ads für deinen Shop sinnvoll sind, oder wenn du deinen laufenden Kampagnen nicht traust: Melde dich gern. Die Prüfmethode aus diesem Beitrag funktioniert auf jeder Plattform, und sie dauert keine zweieinhalb Monate.
Häufige Fragen
Lohnen sich Pinterest Ads für kleine Shops?
Unterhalb von etwa 50 Conversion-Events pro Woche, also grob 500 Web-Bestellungen im Monat, nennt Pinterests eigene Dokumentation die Lernbasis für Performance+ nicht gegeben. In unserem Test steuerte die Automatik unterhalb dieser Schwelle nachweislich auf Klicks statt Käufe. Für kleine Shops sind Newsletter, organisches Social und die eigene Website nach unserer Erfahrung die deutlich bessere Verwendung des Budgets.
Was ist Pinterest Performance+?
Pinterests Automatik-Kampagnenformat: Targeting, Gebote und Budgetverteilung übernimmt eine als KI vermarktete Automatisierung, der Werbekunde macht laut Pinterest „50 % weniger Eingaben”. Eine Einstellung, mit der die tatsächliche Verkaufsleistung die Budgetverteilung bestimmt, existiert laut offizieller Support-Auskunft nicht.
Was bedeutet View-Through-Attribution?
Die Zuschreibung eines Kaufs zu einer Anzeige, die der Käufer lediglich eingeblendet bekam, ohne sie anzuklicken. Kauft jemand drei Tage nach einer Einblendung über Google, zählt die Plattform den Kauf trotzdem sich selbst zu. In unserem Test waren 4 von 5 nachträglich zugeschriebenen Checkouts der ersten Kampagne View-Through.
Warum weichen Ads-Manager-Zahlen von den Shop-Zahlen ab?
Weil die Plattform mit eigenen Attributionsfenstern, geräteübergreifendem Matching und View-Through-Zählung arbeitet, während der Shop reale Besuche und Käufe erfasst. Beides sind Modelle, aber nur eines davon kannst du überprüfen. Bei uns meldete Pinterest 14 Checkouts in einem Zeitraum, in dem die vollständigen Customer Journeys aller 395 Bestellungen genau einen Pinterest-Kauf belegen.
Was kostet Werbung auf Pinterest?
In unserem Test lagen die Klickpreise zwischen 8 Cent (Klick-Optimierung) und 24 Cent (Verkaufs-Optimierung), der Tausenderkontaktpreis zwischen 0,63 und 3,51 Euro. Das klingt günstig und ist genau die Falle: Billige Klicks sind wertlos, wenn 9 von 10 Besuchern sofort abspringen. Die einzig relevante Frage ist, was dich ein nachweisbarer Kauf kostet. Bei uns: 16,36 Euro Werbekosten pro verdientem Euro in der Verkaufskampagne.
Hinweis: Alle Zahlen stammen aus dem Pinterest Ads Manager, Pinterest Analytics und Shopify (Stand 01.10.2026) und beziehen sich auf unseren Shop. Andere Shops, Budgets und Kategorien können zu anderen Ergebnissen kommen.
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Manuel von Heugel
Geschäftsführer, von Heugel Marketing GmbH
Seit über 20 Jahren im Marketing zu Hause: als Berater, Ausbilder, Dozent, Grafiker und Programmierer. Hier schreibe ich über das, was Marketing wirklich erfolgreich macht – konkret, fundiert und ohne Umschweife.
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