Was kostet ein Marketing-Freelancer? Warum ich nach zwanzig Jahren 80 Euro nehme
· Online-Marketing · Ungefiltert · 8 Min. Lesezeit
Fangen wir mit der Zahl an, um die andere gern herumreden: Meine Arbeitsstunde kostet 80 Euro. Keine „ab”-Preise, kein „kommt drauf an”, kein Preisgespräch nach dem dritten Termin – die Zahl steht hier im ersten Absatz, damit du sie nicht suchen musst. Und jetzt die zweite Zahl, die diesen Beitrag interessant macht: In meiner früheren Agentur lag der Verrechnungssatz für eine Stunde meiner Arbeit zuletzt bei 123,60 Euro – kalkuliert von mir selbst, verantwortet von mir selbst. Zwischen diesen beiden Zahlen liegen keine schlechteren Leistungen und kein Ausverkauf, sondern eine bewusste Entscheidung über Strukturen. Genau die erkläre ich dir jetzt – denn wer verstanden hat, wofür er bezahlt, kauft besser ein.
Was Marketing-Freelancer kosten
Erst die Einordnung, damit du meine Zahl bewerten kannst. Der Markt für Online-Marketing-Freelancer im deutschsprachigen Raum liegt laut der jährlichen Stundensatz-Studie von freelancermap im Schnitt bei gut 92 Euro pro Stunde – gestaffelt nach Erfahrung: Einsteiger unter fünf Jahren nehmen im Schnitt 76 Euro, Kollegen mit fünf bis zehn Jahren rund 84 Euro, und ab zehn Jahren Berufserfahrung werden durchschnittlich 99 Euro aufgerufen; je nach Spezialisierung reicht die Spanne von 60 bis 130 Euro. Aus Agentursicht werden Freiberufler mit 95 bis 120 Euro taxiert, operative Kampagnenarbeit mit 120 bis 130 Euro.
Merke dir zwei Dinge aus diesen Zahlen: Unter 60 Euro solltest du misstrauisch werden – das ist entweder ein Hobbypreis, oder es arbeitet später jemand anderes als versprochen. Und: Mit zwanzig Jahren Marketing-Erfahrung liege ich mit 80 Euro deutlich unter dem Durchschnitt meiner Erfahrungsstufe. Das ist kein Versehen.
Was ich früher berechnet habe – und warum
Zur Einordnung meiner Perspektive: Ich habe im März 2013 eine Werbeagentur gegründet, die webmarketiere, und sie elf Jahre lang als Inhaber geführt, zeitweise mit bis zu zehn Leuten – bis zum Verkauf im September 2024 (die Geschichte dazu steht hier). Die 123,60 Euro von oben stammen aus dieser Zeit, und ich erkläre dir die Agentur-Kostenstruktur deshalb nicht vom Hörensagen, sondern als jemand, der sie selbst kalkuliert und bezahlt hat.
Drei Kostenblöcke treiben den Stundensatz vieler Agenturen, und ich kannte sie alle aus der Innenansicht. Erstens das Auftreten: In der Branche gilt ein prestigeträchtiger Auftritt viel, und der beginnt beim Büro in A-Lage – die Miete läuft jeden Monat, ob sie Kundennutzen stiftet oder nicht. Zweitens die Tools: Es ist Fluch und Segen meiner Branche, dass es für alles eine Software gibt. SEO-Suiten, Projektmanagement, Reporting, Social-Planung – die Toolkosten einer Agentur erreichen schnell vierstellige Beträge im Monat, in großen Häusern auch fünfstellige. Drittens der Reflex, den ich selbstkritisch zugebe: Bevor Prozesse optimiert werden, wird erst einmal eingestellt – und dann nimmt das Ganze seinen Lauf, denn jeder Kopf braucht Schreibtisch, Lizenzen und Auslastung.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist keine Abzocke, das ist Struktur. Ein Team bietet echten Gegenwert – Vertretung bei Krankheit, Spezialisten für jede Disziplin, Kapazität für Großprojekte. Für manche Aufgaben ist genau das richtig, und dafür sind Sätze jenseits der 120 Euro schlicht die ehrliche Folge der Kostenrechnung. Nur: Du solltest wissen, dass du in diesem Modell zu einem erheblichen Teil die Struktur bezahlst – nicht die Stunde am Werk.
Warum bei mir 80 Euro reichen
Nach dem Verkauf habe ich mich bewusst für das Gegenmodell entschieden, und jeder Baustein senkt deinen Preis. Ich habe keine Mitarbeiter – nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte, sondern weil ich nur so viele Aufträge annehme, wie ich selbst verarbeiten kann, und flexibel bleiben will. Wo mehr Hände nötig sind, arbeite ich mit einem eingespielten Netzwerk aus Freelancern – Menschen, die wie ich selbst Rechnungen schreiben. Das ist meine ehrliche Erfahrung aus elf Jahren mit Team und ohne: Wer sein Geld direkt mit dem Ergebnis verdient, hat ein anderes Interesse daran, Gutes abzuliefern, als jemand, der sein Gehalt ohnehin bekommt. Das ist nicht abwertend gemeint, und Ausnahmen gibt es in beide Richtungen – aber diese Erfahrung habe ich gemacht, und mein Netzwerk stelle ich genau danach zusammen.
Mein Büro hat neun Quadratmeter und liegt in meinem Zuhause. Termine finden bei mir in der Küche statt oder, wenn das Wetter mitspielt, im Gewächshaus – wer den Ledersessel in der Stadtvilla braucht, ist bei mir falsch; wer will, dass seine Rechnung Arbeit bezahlt statt Ambiente, ist richtig. Und meine Tools habe ich mir selbst programmiert: Außer Google Workspace, Claude und der Creative Cloud ist praktisch jede Software, mit der ich arbeite, Eigenbau – meine SEO-Tools, mein Projektmanagement, meine Buchhaltung, mein Newsletter-System. Wie dieser Arbeitsablauf aussieht, habe ich hier beschrieben. Das Ergebnis sind zwei Dinge zugleich: ein sehr hoher Grad an Effizienz und nahezu keine Fixkosten. Es gibt schlicht keinen Kostenapparat, den deine Stunde mitfinanzieren müsste.
Und dann ist da noch der Grund, der keine Kostenrechnung ist, sondern eine Haltung: Meine Kunden sind fast alle inhabergeführte Betriebe – Handwerker, Händler, Dienstleister, oft mit schlechten Marketing-Erfahrungen im Gepäck. Ich finde es schwierig, für einen Unternehmer zu arbeiten, der für seine eigene Dienstleistung nicht einmal die Hälfte von dem bekommt, was ich ihm berechne. Das verschiebt die Beziehung – aus Zusammenarbeit wird Gefälle. Mit 80 Euro liege ich ungefähr dort, wo auch der Verrechnungssatz eines guten Meisterbetriebs liegt: Wir begegnen uns auf Augenhöhe, Stunde gegen Stunde.
Die Stunde ist die falsche Einheit
Jetzt das Kapitel, das eigentlich zuerst kommen müsste: Der Stundensatz ist die am meisten überschätzte Zahl im ganzen Vergleich. Du kaufst nämlich keine sechzig Minuten – du kaufst, was in sechzig Minuten passiert. Zwanzig Jahre Erfahrung bedeuten: Ich habe die meisten Probleme, die dein Marketing hat, schon dutzendfach gelöst und fange nicht bei null an. Und meine selbst programmierten Tools plus der KI-gestützte Arbeitsablauf bedeuten: Handgriffe, die früher Stunden fraßen, dauern heute Minuten. Eine dichte Stunde für 80 Euro schlägt zwei zähe Stunden für je 65 – der vermeintlich günstigere Kollege, der doppelt so lange braucht, ist der teurere. Rechne beim Vergleichen deshalb nie den Satz, sondern immer das Ergebnis pro Euro. Und stell die Fragen, an denen du gute Dienstleister erkennst – sie funktionieren im Marketing genauso wie im Webdesign.
Was auf der Rechnung wirklich steht
Transparenz zu Ende gedacht heißt auch: sagen, wie abgerechnet wird. Bei mir gibt es drei Modelle, je nach Aufgabe. Projektpauschalen für abgrenzbare Vorhaben – du kennst den Preis, bevor es losgeht. Monatliche Betreuung, in Stunden aufgeschlüsselt – du siehst jeden Monat, wofür die Zeit verwendet wurde, keine Pauschale im Nebel. Und Aufgaben auf Zuruf, für die du vorab eine Einschätzung bekommst und die ich stundengenau abrechne – nicht in angebrochenen Tagessätzen. Bei allen dreien gilt: keine Einrichtungsgebühren, keine versteckten Nebenkosten, keine Laufzeitfallen.
Mein Fazit
Was kostet ein Marketing-Freelancer? Zwischen 60 und 130 Euro sagt der Markt – aber die bessere Frage ist, was in seinem Preis steckt: Struktur oder Substanz, Ambiente oder Arbeit, angebrochene Tagessätze oder ehrliche Stunden. Meine Antwort steht oben im ersten Absatz, und jetzt weißt du, wie sie zustande kommt: kein Apparat, selbst programmierte Tools, zwanzig Jahre Erfahrung – und die Überzeugung, dass gutes Marketing für inhabergeführte Betriebe bezahlbar sein muss, ohne dass jemand draufzahlt. Auch ich nicht. Wenn dir dieser Umgang mit Preisen gefällt, wird dir der Umgang mit deinem Marketing erst recht gefallen: Melde dich – die erste Einschätzung kostet dich genau nichts.
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Manuel von Heugel
Geschäftsführer, von Heugel Marketing GmbH
Seit über 20 Jahren im Marketing zu Hause: als Berater, Ausbilder, Dozent, Grafiker und Programmierer. Hier schreibe ich über das, was Marketing wirklich erfolgreich macht – konkret, fundiert und ohne Umschweife.
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